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Samstag, 28. Juli 2018

Rezension | Mit anderen Worten: ich

"Mit anderen Worten: ich" | Tamara Ireland Stone | Magellan Verlag
Worte zählen nicht zu Samanthas Freunden. Im Gegenteil: in endlosen Gedankenschleifen verfolgen sie Sam und hindern sie daran, ein normales, unbeschwertes Leben zu führen. Aus Angst, als verrückt abgestempelt zu werden, verheimlicht Sam ihren täglichen Kampf sogar vor ihren Freundinnen. Nur die unkonventionelle Caroline sieht hinter Sams Fassade und lädt sie ein, sich einem geheimen Dichterklub anzuschließen. Hier erlebt Sam zum ersten Mal die befreiende Kraft von Worten und kommt sich seit langer Zeit selbst wieder nahe. Als sie sich in den klugen, zurückhaltenden AJ verliebt und gerade beginnt, vorsichtig auf ihr neues Glück zu vertrauen, stellt eine unerwartete Entdeckung alles infrage.
Dieses Buch ist so wichtig. Die sechszehnjährige Sam leidet schon ihr ganzes Leben lang unter Zwangsstörungen, die ihren Alltag zu bestimmen scheinen. Sie bekommt jegliche Unterstützung von ihren Eltern und einer Therapeutin, doch letzten Endes hängt es nur von Samantha allein ab. Für sie spielt die Zahl 3 eine große Rolle: Wenn es ihr schlecht geht oder sie etwas bestimmtes machen muss, wiederholt sie dies ganz oft dreimal. Leute, die unter Zwangshandlungen leiden, fühlen sich erst dann befriedigt, wenn sie eine Handlung auf die für sie richtige Art und Weise durchgezogen haben. Oftmals durch Wiederholungen.
Ich habe mich während der Schulzeit sehr stark mit dem Thema "Zwangsgedanken und Zwangshandlungen" auseinandergesetzt und unter anderem eine Facharbeit darüber geschrieben. Meiner Ansicht nach ist dieses Thema sehr sehr wichtig, denn viele Menschen leiden darunter, ohne es ihren Mitmenschen mitzuteilen. Entweder bewusst oder unbeabsichtigt, weil sie denken, ihr Verhalten sei normal. Häufig hängen Zwangsstörungen mit Depressionen zusammen, weswegen eine Therapie oftmals notwendig ist, um diesem Trott zu entkommen.
Jeder hatte mit Sicherheit schon einmal das Gefühl, die Tür nicht richtig abgeschlossen oder dass sie den Wecker nicht gestellt haben, nur um nach der Kontrolle festzustellen, dass sie es bereits getan haben. Menschen mit Zwangsstörungen wissen oftmals, dass sie eine gewisse Handlung schon ausgeführt haben, doch sie müssen erneut nachschauen. Und nochmal und nochmal. Ihr Gehirn gibt keine Ruhe, bis sie die Handlung genug wiederholt haben. Vorher fühlen sie sich nicht sicher.
Zurück zum Buch: Es gab so viele Szenen, in denen ich schlucken musste. Ich hatte das dringende Bedürfnis, Sam zu helfen. Ins Buch zu klettern und sie ordentlich durchzuschütteln. Aber selbst das hätte ihr nicht geholfen. Der Schreibstil der Autorin ist atemberaubend gut und wunderschön poetisch. Mit so viel Gefühl beschreibt sie Samanthas scheinbar aussichtslose Lage und lässt den Leser dabei großes Verständnis für sie aufbringen. Man liest, wie sie sich fühlt und spürt eine Beklommenheit. Denn irgendwie versteht man sie. Aber irgendwie auch nicht.
Es ist interessant zu sehen, wie Samantha auf manche Impulse reagiert. Während sie in der Öffentlichkeit versucht, ihr Gefühlschaos zu verbergen, unterdrückt sie dadurch nur ihre Situation und kapselt sich so von ihren Freunden ab. Nie fühlt sie sich wirklich dazugehörig.
Doch dann trifft sie auf Caroline, bei der sie sich nicht verstellen muss. Caroline scheint, ihr Verhalten genau zu verstehen und zu akzeptieren. Während Fremde sie als "Verrückte" abstempeln, findet sie in dem Dichterklub, dem sie beitritt, neue Freunde. Es ist herzergreifend.
Die Liebe, die sich zwischen Sam und AJ entwickelt, ist so echt und bedingungslos, dass es mir ein Vergnügen war, mehr zu lesen.
Und dann kommt das Ende. Und da ist die ganze Zeit so viel mehr, doch erst am Ende versteht der Leser. Wow, ich war tagelang kurz davor, direkt noch einmal in die Geschichte zu versinken, denn es machte plötzlich so viel Sinn. Ich konnte lange nicht aufhören, über "Mit anderen Worten: ich" nachzudenken. Es hat einen besonderen Platz in meinem Herzen eingenommen.






Sonntag, 22. Juli 2018

Rezension | All The Bright Places

"All The Bright Places" | Jennifer Niven | Penguin Books
Ein Mädchen lernt zu leben - von einem Jungen, der sterben will.
"Ist heute ein guter Tag zum Sterben?", fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke miteinander teilen - das Leben eben.
So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann - ein witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden ...


Dieses Buch darf auf diesem Blog einfach nicht fehlen. Es ist schon ein wenig her, seit ich es gelesen habe, 2015 um genau zu sein. Aber bis heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an dieses Buch denke. Die Geschichte hat mich ganz tief im Herzen getroffen. Und sie lässt mich bis heute auch nicht los, sodass ich es bei Zeiten auf jeden Fall erneut lesen möchte. 
Ich muss erwähnen, dass ich bisher nur die Originalausgabe im Englischen gelesen habe und beim Reinblättern in die deutsche Ausgabe fiel mir auf, dass die Sprache etwas platt und dumpf übersetzt ist. Das liegt teilweise an Wortspielen, die in der deutschen Sprache leider nicht funktionieren, aber das nur am Rande. Es mindert für mich nicht die Qualität der Geschichte, höchstens den Erzählstil. Unten ↓ findet ihr ein Foto von der deutschen Ausgabe, die den Titel "All die verdammt perfekten Tage" trägt. Selbst die Übersetzung des Titels entzieht dem Buch ein wenig seines Zaubers, aber sei's drum.
Violet und Finch. Das sind die beiden Protagonisten, um die sich diese Geschichte dreht. Es ist eine Geschichte von Liebe, Verlust, Selbstfindung und Scheitern. Es ist so wunderschön und berührend, aber gleichzeitig auch so traurig. Doch alle Worte der Welt können die Schönheit dieses Romans nicht festhalten. Die beiden Charaktere sind einzigartig und so emotionsgeladen. Ich habe mich sofort in beide verliebt. Erst nach der Lektüre erfuhr ich, dass die Autorin in ihrem Werk einige autobiografische Aspekte verarbeitet hat. Dies veranlasste mich dazu, die Geschichte erneut mit anderen Augen zu betrachten. 
Die Tränen liefen jedoch so oder so. Ich glaube, ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Bücher mich jemals zum Weinen gebracht haben. "All The Bright Places" gehört definitiv dazu. Ich möchte nicht zu viel verraten, falls ihr vorhabt, das Buch zu lesen. Nur so viel: Haltet die Taschentücher bereit.
Die Geschichte wird abwechselnd aus Violets und aus Finch's Sicht erzählt, was dem Buch eine gewisse Intensität verleiht. Der Leser weiß nicht so wirklich, worauf die Geschichte hinauslaufen wird. Und das hat Jennifer Niven einfach großartig umgesetzt. In meinem Kopf lief die ganze Story wie ein Film rauf und runter, ich sah alles bereits vor mir. Und bin natürlich umso glücklicher, dass gerade an der Verfilmung gearbeitet wird. Die Vorfreude ist jedoch auch mit einigen Sorgen verbunden. Oftmals geben Buchverfilmungen einfach nicht alles wieder und können den Charme des Buches nicht hundertprozentig wiedergeben. Meine Hoffnungen aber auch Ansprüche sind dementsprechend hoch.
Bei "All The Bright Places" handelt es sich um eine Liebesgeschichte ohne jeglichen Kitsch, voller Poetik und Dramatik. Eine absolute Leseempfehlung meinerseits.